Die Schläue von Papst Franziskus und sein fragwürdiges Geschenk an die Frauen.

Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 2018! Also, nach 2000 Jahren Kirchengeschichte erlaubt Papst Franziskus anno Domini 2018 die allererste Frauenfußballmannschaft innerhalb der Mauern des Vatikans. Nein, pathetisch, triumphal, monumental, populistisch, wie dieser Papst nun einmal ist, erlaubt er gleich zwei weibliche Fußballteams. Denn eine Fußballmannschaft allein könnte ja höchstens gegen die alten Herren im Vatikan antreten, also gegen Seine Heiligkeit, Eminenzen, Exzellenzen, Monsignores und deren Dienstpersonal, letzteres allerdings noch wesentlich jünger und frischer als die klerikalen Hoheiten. Außerdem könnten ja dann die frommen Majestäten nicht in aller Ruhe in den Genuss der Beobachtung der changierenden weiblichen Formen bei einem Fußballspiel kommen.


Ist das Ganze nicht doch ein höchst sympathischer, freundlicher Akt des Papstes gegenüber der weiblichen Hälfte der Menschheit? Weit gefehlt! Es ist vielmehr ein Gag, ein miserabel schwacher Ausgleich für die Tatsache, dass auch Papst Franziskus in einem ganz wesentlichen Punkt des katholischen Glaubens und der Ämterhierarchie in der Kirche wie alle seine Vorgänger die Frauen für minderwertig hält, jedenfalls und zumindest für unfähig, das wichtigste Amt in der Kirche, das Priesteramt, auszuüben. Wohlgemerkt das Amt, das ja auch die absolute Bedingung dafür ist, Papst werden zu können. Wenn Papst Franziskus jetzt den Frauen als Ausgleich für die Nichtzulassung zum Priesteramt zwei Fußballmannschaften im Vatikan anbietet, ist das im Grunde eine Verhöhnung und Verachtung der zahlreichen seriösen Anträge, Bemühungen und Begründungen hochgebildeter katholischer Frauen, ihnen das Priestertum zu gewähren.


Natürlich bejubeln die Medien schon wieder den „revolutionären Neuerer“ Franziskus wegen der Masche mit den kickenden Damen. Dass er nicht mehr machen kann, liege doch nicht an ihm, sondern an seinen päpstlichen Vorgängern, die stur das Argument wiederholten, dass Jesus eben immer nur Männer zu Priestern gemacht habe. Das Argument ist allein schon deshalb falsch, weil Jesus überhaupt niemanden, keinen Mann, keinen Petrus, Jakobus, Johannes und keinen der anderen Apostel zum Priester geweiht oder erwählt hat, sich selbst auch gar nicht als Priester, sondern als freien Wanderprediger sah und schon gar nicht an die Gründung einer neuen Religion wie das Christentum dachte. Predigen allerdings – das durften Maria Magdalena und die anderen Frauen um Jesus nach seinem Tod durchaus und zwar ganz offiziell, wie die Kirchengeschichte des frühen Christentums bezeugt.


Nein, dieser Papst Franziskus ist im Hinblick auf alle Dogmen und kanonischen Gesetze des Kirchenglaubens und Kirchenrechts so fundamentalistisch-konservativ wie alle seine päpstlichen Vorgänger. Er ist lediglich noch viel zustimmungsgieriger, als selbst die es schon waren. Er braucht das Kollektiv, das ihm zujubelt. Seine heimliche Ekstase ist die Sympathie der Massen von naiv-gläubigen Ignoranten, die weder die finsteren Seiten der Kirchengeschichte noch das Neue Testament noch die Dogmen und Canones der Kirche kennen.


Wäre Franziskus wirklich ein revolutionärer Reformer, dann hätte er längst den alten Zopf der Unfehlbarkeit der Päpste abgeschnitten, an den ohnehin keiner mehr glaubt. Wenn er wirklich wollte und nicht bloß auf allzu leichtem Weg Sympathien einzuheimsen suchte, dann brauchte er auf die Vorgaben früherer Päpste gar nicht zu achten und könnte mit der Streichung des Unfehlbarkeitsdogmas auch gleich das vom polnischen Papst Johannes Paul II geradezu zum Dogma erhobene Gesetz der Nichtzulassung katholischer Frauen zum Priesteramt aufheben. Aber dazu fehlt diesem Schaumschläger, der auch die Welt kurzsichtiger Politiker beeindruckt, der Mut, die Courage, das starke Rückgrat, das die meisten Jesuiten ohnehin nicht haben.


Aber auch den von mir hochgeachteten Frauen, die das Priestertum anstreben und mit Sicherheit gut vertreten würden, muss der Vorwurf gemacht werden, eine letzte Feigheit gegenüber der patriarchalisch-maskulinen Hierarchie der Kirche nicht überwinden zu können. Zwar sind sie alle, wenn sie sich zu Priesterinnen weihen lassen, eo ipso und ipso facto exkommuniziert. Aber obwohl sie, wie mir bekannt ist, darunter meistens enorm leiden und auch wissen müssten, dass die Amtskirche ihnen nie das Priesteramt in die Hände geben wird, treten sie nicht aus der Kirche aus, um eine wahre neue Kirche zu gründen, die durchaus lebendiger und für viele Menschen sympathischer wäre, als das halbtote Walross katholische Kirche, das angesichts seines Pomps, Profit- und Machtstrebens gar nichts mehr mit dem Jesus der Evangelien zu tun hat.


Nein, da kann Franziskus noch so viele Rock- und Pop-Diven in den Vatikan einladen, oder ihnen – stets von weiten Teilen der Presse beachtet – Audienzen gewähren (schön gestaltetes menschliches Fleisch beider Geschlechter finden die Herren im Vatikan durchaus sympathisch), aber den seriösen katholischen Theologinnen, die die „Unverschämtheit“ besitzen, von ihm auch noch das Priesteramt zu verlangen, denen wird er bis zu seinem Tod kein Entgegenkommen erweisen. Er, der sich so gern vor den internationalen Gremien der UNO, UNESCO, EU, der Welthungerhilfe, der WHO usw. als die höchste geistliche Autorität im Prozess der Globalisierung der Welt aufspielt, wird auch den vielen in diesen Gremien ihm begeistert lauschenden Frauen nie die Frohe Botschaft der totalen Gleichberechtigung mit den Männern verkünden.


Auch hier erweist sich also dieser Papst als Großmaul der Worte ohne wirkliche Taten. Was er den Frauen in Wirklichkeit allein zu sagen hat, reduziert sich auf die Aufmunterung: „Spielt mal schön Fußball oder andere Spiele und vergesst dabei die ganze Geschichte mit dem Priesteramt, das nun einmal ein den Männern vorbehaltenes Privileg bleibt!“

Mehr über das hier Gesagte hinaus in Mynareks Büchern:

  • „Papst Franziskus. Die kritische Biografie“ Nomos-Verlag (früher Tectum Verlag, jetzt integriert bei Nomos) Marburg 2015, ISBN: 978-3-8288-3583-2, www.tectum-verlag.de
  • „Papst-Entzauberung“, Norderstedt 2007, BoD Verlag, ISBN: 978-3-8334-8033-1
  • „Der polnische Papst. Bilanz eines Pontifikats“ Freiburg 2005, Ahriman Verlag, ISBN: 3-89484-602-X, www.ahriman.com
  • „Herren und Knechte der Kirche“, 3. Auflage Freiburg 2010, Ahriman Verlag, ISBN: 978-3-89484-607-7, www.ahriman.com
Erscheinungsdatum: 19.06.2018