Angelika Lenz Verlag 2023; ISBN 978-3-943624-84-7

Zur freudigen Überraschung seiner zahlreichen Freunde und Mitstreiter sowie zum lähmenden Entsetzen seiner nicht minder zahlreichen Feinde und Gegner im Klerus und bei den diesen in dumpfer Anhängerschaft verbundenen „Beton-Katholiken“ hat der renommierte Religionsphilosoph und Kirchenkritiker Professor Dr. Hubertus Mynarek jüngst im Alter von 94 Jahren ein beachtliches 420 Seiten umfassendes Werk vorgelegt, dessen Titel schon einiges über seinen Inhalt verrät.

Über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten sich erstreckend wird hier eine Blütenlese selbstgefälliger und selbstherrlicher Hierarchen der „allein seligmachenden Kirche“ präsentiert und zugleich mit der schonungslosen Psychoanalyse eines alles andere als altersmilden Zeitzeugen entlarvt. Der Bogen spannt sich von einem halben Dutzend Vertreter der gleichermaßen opportunistischen wie mariologischen Spezies des polnischen Katholizismus, in dem der gebürtige Oberschlesier Mynarek bis 1958 seine Studien- und ersten Priesterjahre erlebt und erlitten hat, über den Mittelbau des in einigen Fällen höchst fragwürdig qualifizierten deutschen Episkopats bis hin zu den alles andere als „unfehlbaren“ Kirchendiktatoren im Vatikan.

Dabei wird das ach so bequeme Prinzip „De mortuis nihil nisi bene“ von Hubertus Mynarek gründlich ignoriert. Sein ungetrübtes Erinnerungsvermögen und sein unbestechlicher Blick hinter die glänzenden Fassaden der Amtskirche auf die Heuchelei, Verlogenheit, Intoleranz, Intrigenverliebtheit und Missgunst ihrer Amtsträger beweisen auch dem naivsten Leser, wie sehr diese Institution von der jesuanischen „Macht der Liebe“ hin zu einer gnadenlosen „Liebe zur Macht“ degeneriert ist.

Bemerkenswert sind auch Mynareks Psychogramme der oben erwähnten Vertreter des polnischen Klerus, die ein deutliches Licht auf das nach wie vor gestörte Verhältnis unserer polnischen „Nachbarn“ zu Deutschland werfen – ein Verhältnis, das sich offenbar auch nach sieben oder acht Jahrzehnten trotz aller „Kniefälle von Warschau“ und der zahllosen Sonntagsreden unserer Verzichtspolitiker nicht nennenswert verbessert hat.

Dem einen oder anderen Mynarek-Fan, der seine früheren Veröffentlichungen wie etwa „Herren und Knechte der Kirche“, „Eros und Klerus“ die schonungslose Meisner-Biographie oder seine drei fulminanten „Papst-Entzauberungen“ (über den Schauspieler Woltyla, den timiden und verklemmten Schreibtischtäter Ratzinger und den begnadeten Heuchler Bergolio) mit Vergnügen gelesen hat, wird manche Passage des neuen Mynarek-Werkes bekannt vorkommen, doch fällt das in der überwältigenden Fülle des hier präsentierten biographischen und zeitgeschichtlichen Materials nicht ins Gewicht.

Hin und wieder erfährt der Leser auch noch eine zusätzliche Überraschung: So versteckt sich am Ende des 4. Kapitels (Kardinal Wyszynski) auf den Seiten 101 ff. eine zusätzliche schonungslose Abrechnung mit Papst Bergolio hinsichtlich seiner verlogenen Islam- und Migrationspolitik!

Alles in allem: ein unerhört faktenreiches, wie immer brillant geschriebenes und rücksichtslos ehrliches Buch als persönliche Bilanz eines langen, konfliktreichen, aber kompromisslosen Lebens als Priester, Wissenschaftler und Philosoph – ein Buch, das seine Lesergemeinde erneut begeistern und so manchem neuen Mynarek-Fan die Augen öffnen wird!

(Dr. phil. Gerhard Schlesinger)

Erscheinungsdatum: 04.10.2023